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Kids 2 – In den Straßen Brooklyns

Veröffentlicht am: 13th Juli, 2009

Anfang 2008 erschien in Deutschland, der Film ‘Kids – In den Strassen von New York’ beim Label MIG als DVD-Veröffentlichung. Der Streifen, welcher durchweg positive Kritiken verzeichnen konnte, hatte aber rein gar nichts mit Larry Clarks Kultfilm ‘Kids’ zu tun. Im Original erschien er unter dem Namen ‘A Guide to Recognizing Your Saints’ bekannt, auf dessen gleichnamigen Roman er basierte. Wahrscheinlich gingen die Marketing-Strategen davon aus, einen Film mit ein paar Jugendlichen in der Großstadt, könnte man doch gut unter dem Namen ‘Kids’ verkaufen.

Somit erscheint nun dieser Tage ‘Kids 2 – In den Straßen Brooklyns’ in deutschen DVD-Regalen. Wieder vom Label MIG. Wieder kein Bezug zu Larry Clark oder dem besagten ‘Kids – In den Straßen von New York’. Diesmal hört das Original auf den Namen ‘Downtown – A Street Tale’ und wurde schon 2004 vom Regisseur Rafal Zielinski (’Hangman’s Curse’, ‘Age of Kali’) in Szene gesetzt. Auch dieses Drama handelt vom Überlebenskampf Jugendlicher im Dschungel der Großstadt, aber muß man dies auf so dreiste Art und Weise vermarkten? Hinzu kommt, das der Film bei Weitem nicht an die Qualität seiner vermeintlichen Vorgänger heranreicht.

Der 27-jährige Kick (Joey Dedio) hat ein hartes Leben. Er musste mit ansehen wie seine Mutter umgebracht wurde und verschwendete seine Zeit mit der Einnahme von Drogen. Nun ist er ein Jahr clean und der Anführer einer Bande von obdachlosen Jugendlichen, welche sich ein Versteck in einem Abrißhaus eingerichtet haben. Dazu gehört der aus reichem Hause stammende Hunter (Chad Allen), welcher HIV-positiv ist und stark heroinabhängig. Maria (Flora Martínez), welche sich selbst stark schädigt, da sie mit Hunter eine Beziehung führt. Ashley (Rachel Vasquez), die gern berühmt wäre, es aber bislang nur Stripclub auf die Bühne schafft. Der geistig behinderte Tito (Johnny Sanchez), der von Zuhause flüchtete weil er vom Freund der Mutter verprügelt wurde. Der schwule Lamont (Jeremy Richards) wünscht sich nichts mehr als ein Friseur zu werden. Die Rumänin Rachel (Mihaela Tudorof) kompensiert ihre Probleme durch ausreichend Sex und zu guter Letzt werden auch noch die texanischen Neuankömmlinge Billy (James Ransone) und Cheri (Domenica Cameron-Scorsese , die Tochter von Regisseur Martin Scorsese) im Team aufgenommen.

Wie hier schon ersichtlich wird, probiert das Drehbuch jedes nur erdenkliche Klischee im Film unterzubringen. Da langt es nicht das die Kids an ihrer Drogensucht oder HIV sterben. Da braucht es auch noch geistig Behinderte, Schwangere, Stricher und Schwule. Das erfordert wiederum eine Vielzahl an Charakteren, die auftreten müssen. Da liegt schon das erste große Problem. Der Zuschauer kann mit keinem Charakter wirklich mitfühlen. Die Figuren werden zu wenig gezeichnet, da bei der Menge an Charakteren dafür keine Zeit bleibt. Sie werden lediglich kurz vorgestellt und ihre Probleme gezeigt. Ein wieso, warum und weßhalb bleibt konsequent außen vor. Somit läßt es den Zuschauer kalt, wenn das vergewaltigte Mädel mal eben aus dem Fenster springt. Auch das bedrängende Gefühl von Sucht und Angst wurde in anderen Filmen dieser Machart weitaus bedrückender und realistischer dargestellt. Teilweise erinnert das  Ganze an eine Seifenoper aus New Yorks dreckigen Gassen.

Schauspielerisch überzeugen die Darstellungen der beiden Hauptcharaktere des Films. Dedio (’Lullaby’, ‘A Good Night to Die’), welcher auch hiermit sein erstes Drehbuch schrieb, gibt den Anführer der Jugendgang überzeugend zum Besten, auch wenn er nach meinem Geschmack für seine Rolle eindeutig zu alt aussieht. Neben ihm besticht Veteranin Geneviève Bujold (’Finding Home’), welche in der Rolle der Sozialarbeiterin Aimee Levesque zu sehen ist. Beeindruckend spielt Sie ihre Anstrengungen, den Teenagern das Leben zu erleichtern. Ansonsten kann sich keiner der Jungschauspieler aus der großen Riege hervorheben. Insgesamt liefern sie alle eine solide Leistung ab. Burt Young und John Savage sind in tollen Cameo-Auftritten zu bestaunen.

Es gibt sicherlich schlechtere Debüt-Drehbücher, nur nimmt sich das Drama zu viel vor. Es wirkt zu überladen und kann durch seine vielen Charaktere und Sub-Plots keine wirkliche Tiefe aufbauen. Zu oft wird mit der Sozialkeule umhergeschwungen. Ein solider Film, den Mann aber keinesfalls in Bezug zu Larry Clarks ‘Kids’ stellen sollte. Geschrieben von Daniel Reich

Fazit: Überladenes und klischeebehaftetes Straßen-Drama ohne Tiefgang




Filminformation
Film: Downtown: A Street Tale
Regisseur: Rafal Zielinski
Autor: Joey Dedio (writer)
Premierendatum: 20 April 2007 (USA) / Andere Länder
Genre: Drama
Ergänzender Untertitel: In a world of darkness and pain, hope and courage are the only way out.
Lauflänge: 103
Schauspieler: Joey Dedio, Geneviève Bujold, John Savage, Burt Young, Lillo Brancato

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