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Die Entführung der U-Bahn Pelham 123

Veröffentlicht am: 21st Juli, 2009

Als ich vor einigen Wochen den Trailer zu Tony Scotts neuem Thriller ‘Die Entführung der U-Bahn Pelham 123′  im Kino sah, war ich hellauf begeistert. Ich erwartete einen tollen Action-Thriller mit Topbesetzung und freute mich sehr John Travolta mal wieder in einer Rolle sehen zu dürfen. Nun da ich den Streifen endlich zu Gesicht bekam, wurde diese Erwartungshaltung durch das extrem stylische Intro noch untermauert. Die Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Hochhausschluchten von New York, dazu Jay-Z’s Song ‘99 Problems’ und John Travolta, der von der ersten Einstellung an die Coolness seines Charakters imposant repräsentiert. Somit gibt Tony Scott einem auch keine Verschnaufphase nach dem Vorspann, sondern springt direkt in die Haupthandlung.

Einer Bande von Kriminellen, samt ihrem Anführer Ryder (John Travolta), betritt eine New Yorker U-Bahn-Station und bemächtigt sich kurzerhand einer Bahn samt Insassen. Sie bringen die Bahn mitten auf der Strecke zum Stehen und verlangen 10 Millionen Lösegeld für die Geiseln – innerhalb einer Stunde. Wird die Forderung nicht erfüllt, soll mit jeder Minute eine weitere Geisel sterben. In der Funkzentrale der U-Bahn-Aufsicht nimmt Fahrdienstleiter Walter Garber (Denzel Washington) die Forderungen entgegen. Dieser muss nun die Verhandlungen zwischen den Terroristen und den Behörden, samt dem New Yorker Bürgermeister (James Gandolfini) , führen.

Tony Scott inszeniert hier ein Remake des Thrillers ‘Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1 2 3′ aus den Siebzigern. Hatte dieses Original noch sozialkritische Ansätze, verweigert sich Scott dessen ganz. Er setzt bei seinem Remake auf eindeutiges Actionkino ohne Tiefgang. Er konzentriert sich auf die Auseinanderstzung seiner beiden Stars und lässt alle Nebencharaktere im Hintergrund verblassen. Auf das Schicksal und die Gefühle der Geiseln oder Ryders Kumpanen wird in keinster Weise eingegangen. Allerdings werden die Charaktere von Washington und Travolta auch nicht wirklich eingehend gezeichnet. Denzel Washington (’American Gangster’, ‘Inside Man’) hat nicht wirklich viel Raum sein Spiel zu entfalten und kann lediglich durch sein vorhandenes Charisma punkten. Travolta (’Pulp Fiction’, ‘Be Cool’, ‘Lonely Hearts Killers’), der einen Ex-Bänker darstellen soll, der auf die schiefe Bahn an der Wall Street geraten ist, schafft dies in keinster Weise. Eher spielt er einen obercoolen Knacki. Was seiner Rolle allerdings möglicherweise besser zu Gesicht steht.

Regisseur Scott (’Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit’, ‘Spy Game’, Domino’), hat versucht den Fokus auf das Psychoduell zwischen dem Entführer und dem Vermittler an der anderen Leitung zu richten. Hier entsteht aber nichts mit Tiefgang, das in die Charakere tiefer eindringen könnte. Es ist und bleibt ein reiner Actionfilm, der zu unterhalten weiß, aber jedigliche Authenzität zu einer realen Entführung vermissen lässt. Nach 2/3 des Film kann Tony Scott dann, die Actionkeule richtig auspacken. Er verlangert dann die Handlung auf die Straßen von New York, samt Schießereien und wilden Verfolgungsjagden. Waren zunächst eine Stunde lang die U-Bahn und das Büro der Bahnüberwachung beinahe die einzigen Spots, kommt der Film hier komplett zum Bruch. Auch der Showdown wird zu wichtig und überdramatisch inszeniert, für einen Thriller der es nicht schafft diese Dramatik bis zum Ende aufzubauen.

Wer einen stylischen, glattgebügelten Actionreisser erwartet, wird zumindest ab der zweiten Filmhälfte nicht enttäuscht. Das ganze ist unterhaltsam und sehr schön anzusehen, kann aber kein tiefgehendes Psychoduell aufbauen, wie es sich der Regisseur sicher vorgestellt hat. Dafür schweift Actionregisseur Tony Scott zur weit in sein angetrautes Metier ab. Geschrieben von Daniel Reich

Fazit: Stylige Hochglanz-Action, die Charaktere bleiben allerdings zu flach.




Filminformation
Film: The Taking of Pelham 1 2 3
Regisseur: Tony Scott
Premierendatum: 13 August 2009 (Germany) / Andere Länder
Genre: Crime | Drama | Thriller
Lauflänge: 121
Schauspieler: Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, Victor Gojcaj, John Turturro

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